Heimatverein Düngstrup e.V.

   

1928 - Der Heimatverein Düngstrup entsteht

Der älteste Arbeitskreis des Heimatvereins ist die Speelkoppel. Als der Verein 1908 als „Gemischter Chor“ gegründet wurde, dachte man zunächst nur an das Chorsingen. Doch Mitte der 20er Jahre wurde das Vereinsprogramm erweitert. So begann man damals mit dem Theaterspielen in Plattdeutscher Sprache. Entsprechend dieser Entwicklung bekam der Verein 1928 neue Statuten.

Die gesamte Vereinsarbeit wurde auf eine breite Basis gestellt. Es wurde aus dem Gemischten Chor eine Art Heimatverein mit erweitertem Programm und neuen Aktivitäten.
Dazu wurde der Vereinsname geändert in:

„Heimatverein Düngstrup“
Als Vorsitzender wurde Hauptlehrer Adolf Wohlers gewählt. Trotz der Namensänderung wurden die früheren Sangesbrüder und Sangesschwestern gebeten, doch weiterhin in der Sängergruppe des Heimatvereins Düngstrup mitzumachen.

Versammlungen 1929 - Volkstanzgruppe wird geboren
Auf einer außergewöhnlichen Generalversammlung im April wurde beschlossen, auch einen Volkstanzabend stattfinden zu lassen. Das war die eigentliche Geburtsstunde der Volkstanzgruppe des Heimatvereins.
Außerdem wurde beschlossen, ein Gründungsbuch anzuschaffen, um den Zweck und die Ziele des Heimatvereins festzulegen. Die dafür notwendige Ausarbeitung oder Überarbeitung der Statuten sollten die Hauptlehrer Eilers und Drees, sowie Richard Hoffmeyer übernehmen. Ferner wurde auch beschlossen, an der Sonnenwendfeier am 21. Juni teilzunehmen.

Auf der Generalversammlung am 2. November wurde der gesamte Vorstand neu gewählt.
Diese Wahl brachte folgendes Ergebnis:
1. Vorsitzende: Hauptlehrer Adolf Wohlers, Kleinenkneten
2. Vorsitzende: Otto Flege, Lüerte
Schrift und Kassenführer: Hauptlehrer Drees, Lüerte
Spielleiter: Richard Hoffmeyer, Thölstedt

Hauptlehrer Eilers wurde beauftragt eine Lautenabteilung zu gründen. Es wurde beschlossen, dass den Theaterspielern für jeden Übungsabend eine kleine Vergütung gezahlt werden sollte. Die Dezemberversammlung legte auch fest, dass die Spieler eine Extravergütung von 10 % der Bruttoeinnahmen bekommen sollten.

Versammlungen 1930 - Speelkoppel, Vereinsabzeichen und Bibliothek
Auf der Versammlung am 1. März hielt Herr Diplom-Landwirt Bartels einen Vortrag über die Einrichtung einer Speelkoppel Wildeshausen. Herr Bartels war damals Schriftführer der Wildeshauser Zeitung. Er regte in seinem Vortrag an, dass die besseren Theaterspieler aus den einzelnen Heimatvereinen des Amtsbezirkes Wildeshausen zur Speelkoppel Wildeshausen zusammengefasst werden sollten. Dafür wäre eine einheitliche Spielleitung erforderlich. Das war für den Heimatverein Düngstrup ein wagemutiger Vorschlag, dessen Auswirkungen noch nicht absehbar waren.

Weiterhin regte er an, dass zur Hebung des Fremdenverkehrs im Sommer Freilichtspiele aufgeführt werden sollten. Dadurch würden die Mitglieder die Gelegenheit erhalten, auch andere Theaterbühnen kennen zu lernen. Die Leitung der Speeldeel würde über den Einsatz der einzelnen Spieler entscheiden. Herr Bartels wurde vom Heimatverein Düngstrup beauftragt, seine Gedankengänge in der Wildeshauser Zeitung zu veröffentlichen. Erst dann würde man dazu Stellung nehmen.

Im August wurde vom Heimatverein beschlossen, ein Vereinsabzeichen anzuschaffen Es lag dafür ein Entwurf von Richard Hoffmeyer vor, der allgemein viel Beifall fand. Als Motiv für das Vereinsabzeichen wurden die Kleinenkneter Steine bestimmt.

Die zum Stiftungsfest aufgeführte „Swienskomödie“von August Hinrichs war bei vollem Haus ein Riesenerfolg.

K640 ursprünglicher alter schafkoben

Ursprünglicher Schafkoben von Otto Stolle

Auf der Generalversammlung am 29. November teilte Otto Stolle aus Holzhausen den anwesenden Mitgliedern mit, dass er dem Heimatverein Düngstrup seinen Schafstall überlassen wolle. Der Schafstall müsste dann aber auf Vereinskosten instand gesetzt werden. Es wurde daraufhin eine Kommission eingesetzt, die alles prüfen und der nächsten Versammlung einen Kostenvoranschlag vorlegen sollte. Ferner wurde der Vorschlag gemacht, den Schulen der Gemeinde, für die Anschaffung von Bibliotheksbüchern mit vorwiegend heimatkundlichem Inhalt, einen Geldbetrag zu überweisen. Bedingung hierfür sollte sein, dass die angeschafften Bücher Eigentum des Heimatvereins bleiben müssten. Damit wurde 1930 der Grundstock für eine Vereinsbibliothek geschaffen.

Versammlungen 1931 - Einweihung Schafkoben Holzhausen
Auf der Mitgliederversammlung am 7. März wurde über die notwendigen Reparaturen und die weiteren Kosten des Schafkobens berichtet. Hermann Stolle und Otto Flege wollten je eine Tür dafür stiften. Die Abstimmung über den Schafkoben ergab, dass eine Mehrheit für die Übernahme und Reparatur des Schafkobens war. Im Juni war der Schafkoben schon fertiggestellt! Die Einweihung wurde auf Sonntag, den 12. Juli festgelegt. Die Vereinskasse bewilligte dafür 50 Liter Bier. Das gemütliche Beisammensein fand im Freien statt. Bei der Einweihung zugegen waren zwei alte Schäfer, Diedrich Kamann (Holzhausen) und Fritz Oltmann (Thölstedt). Beide Schäfer traten bei dieser Gelegenheit dem Heimatverein Düngstrup als Mitglieder bei.

Im September wurde festgelegt, dass die bisher angeschafften Bücher im Vereinslokal bleiben sollten. Zum „Bibliothekar“ wurde Heinrich Besuden bestellt. Die Lesezeit für entliehene Bücher betrug 4 Wochen.

Versammlungen 1932: Das Vereinsleben blühte
Für den Schafkoben wurden Bänke geliefert. Die Vereinsmitglieder Herm. Behrens, Herm. Voß, Heinrich Stöver und Otto Flege, halfen bei der Gestaltung der Bänke tatkräftig mit.

Im Februar wurde auch beschlossen, dass nun Mitgliedskarten beschafft werden sollten, um einen regeren Besuch der Monatsversammlungen zu erreichen.

Für Neuaufnahmen in den Heimatverein Düngstrup wurde beschlossen, dass die Abstimmung dafür künftig durch Stimmzettel erfolgen musste, also als geheime Abstimmung.

Im Mai sollte die Mitgliederversammlung im Schafkoben stattfinden. Verbunden wurde diese Versammlung mit einer Wanderung dorthin. Man traf sich für diese Wanderung bei Nadermann (Scheele) in Lüerte. Es ging dann über Bargloy zu den Hohen Steinen. Weiter führte der Weg nach Aumühle, wo die Teichanlagen und auch die Villa besichtigt wurden. Auf dem weiteren Weg wurde noch die herrlich im Nadelwald versteckte Stoll’sche Jagdhütte besichtigt. Beim Eintreffen am Schafkoben wurde ein kühler Trunk Limonade geboten; aber der Vereinswirt ließ dann auch eine „Pulle Cognac“ kreisen, um die Lebensgeister wieder zu wecken! Danach wurde zügig die Tagesordnung abgearbeitet.

Im August wurde Hermann Stolle, Hanstedt zum Spielwart gewählt. Der Vorsitzende regte auch an, wieder regelmäßig Singstunden einzuführen.

Das Jahr 1933: 25 Jahre Vereinsleben und politische Umwälzungen
Ab diesem Jahr wurde in den Heimatverein Düngstrup nicht mehr jeder Aufnahmewillige einfach aufgenommen. So gab es in diesem Jahr auch mal eine geheime Wahl mit 18 Enthaltungen, 10 Nein-Stimmen und nur 2 Ja-Stimmen.

Außerdem musste mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, die seit längerer Zeit ausgeliehenen Bücher bis zum 1. Februar wieder abzuliefern. Weiter wurde beschlossen, dass in Zukunft nur der Bücherwart Bücher ausgeben und zurücknehmen durfte.

In der Märzversammlung 1933 wurde ein kurzer Rückblick über den „nationalen Umschwung in Deutschland“ gegeben. Danach wurde gemeinsam „Ich hab’ mich ergeben“ gesungen!

Aus dem Überschuss einer Festveranstaltung des Heimatvereins zu Gunsten der „Nothilfe“ konnten je 60 Mark an die Gemeinde Wildeshausen (Wohlfahrtsamt) und an die Gemeinde Düngstrup (Gemeindevorsteher) gespendet werden.

Am 1. Oktober wurde der Erntedanktag erstmals in ganz Deutschland an einem gemeinsamen Tag begangen, so auch in Düngstrup.

Zum Stiftungsfest am 25. November sollten alle auswärtigen Gründungsmitglieder per Postkarte eingeladen werden. So wurde das 25-jährige Bestehen gebührend gefeiert. Als Theaterstück anlässlich dieses Jubiläums sollte das Stück „Wenn de Hahn kreiht.“ von August Hinrichs aufgeführt werden. Wegen des sehr großen Erfolges dieses Theaterstückes wurde es in Wildeshausen noch einmal gespielt und der Reinerlös kam der „Winterhilfe“ zu Gute.

Die Versammlungen 1934: Technische Neuerung und politische Auswirkungen
Auf der Februar-Versammlung wurde in Erwägung gezogen, für den Heimatverein einen eigenen Lichtbild-Apparat anzuschaffen, weil doch öfter mal auf Versammlungen Lichtbilder-Vorträge gehalten wurden. Ein Schirm (Leinwand) sollte schon sofort beschafft werden.

Der Vorsitzende des Vereins forderte dazu auf, wieder mehr Leben in den Verein zu bringen. Dazu sollten Volkstänze eingeübt werden. Dieses wurde auch in der März-Versammlung so beschlossen. Der Vorsitzende wurde beauftragt, sich mit Frau Cohn wegen der Einübung der Volkstänze in Verbindung zu setzen. Außerdem ist festgehalten worden, dass der Krieger-Verein die Hälfte der Kosten für einen Lichtbildapparat übernehmen würde. Daraufhin beschloss der Heimatverein Düngstrup, nun auch die Hälfte bereitzustellen. Die Einweihung des Lichtbildapparates sollte auf Vorschlag von Hauptlehrer Eilers etwas größer aufgezogen werden. Der Lieferant des Gerätes sollte veranlasst werden, dazu schöne Lichtbilder umsonst zur Vorführung bereit zu stellen.

Der 1. Vorsitzende des Vereins Hauptlehrer Wohlers wurde vom Staatsministerium zum Denkmal-Pfleger bestellt. Er bat den Verein und seine Mitglieder, ihm bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Alle Vereinsmitglieder sollten ein waches Auge darauf haben, dass keinerlei Verschandelung von Natur-Denkmälern und Gedenk-Stätten vorkämen. Er stellte den Antrag, ebenfalls den Schafkoben unter Naturschutz zu stellen.
In der April-Versammlung berichtete Hauptlehrer Eilers über die Tagung aller Heimatvereine der Region, insbesondere über Ziele und Zwecke des Zusammenschlusses der Vereine in Verbindung mit „Kraft durch Freude“. Unser Heimatverein war nun dem Reichverband angeschlossen und erhoffte sich dadurch Förderungen von Volksliedern, Volkstanz, Theaterspiel, Volksmusik und den Schutz der Dorfbilder, der Volkstrachten und vieles mehr. Außerdem musste den Anwesenden mitgeteilt werden, dass der Holzhauser Schafkoben in seinem Inneren von anscheinend „zerstörerischer Hand“ arg beschädigt worden war. Die Mitglieder waren der Meinung, dass darum der Schafkoben verschlossen werden müsste. Der Vorsitzende versuchte auch, die Mitglieder zu überreden, sich an den Übungsabenden des gemischten Chores des Heimatvereins zu beteiligen.

In der Juni-Versammlung wurden alle Mitglieder aufgefordert, einmal gründlich zu überlegen, warum die Versammlungen so vernachlässigt wurden.
Im Oktober wurde der Wunsch geäußert, dass möglichst bei allen Vereins-Veranstaltungen die Damen Heimat-Tracht tragen sollten. Dieses sollte möglichst schon zum kommenden Stiftungsfest geschehen.

Auf der Versammlung am 3. November stellte Otto Stolle den Antrag, beim Schafkoben einen Stein zu setzen, der dem verstorbenen Jan Huntemann gewidmet werden sollte. Auch sollte ein Schafskopf präpariert werden, der im Schafkoben aufgehängt werden sollte. Dies ist aber nie geschehen. Von Seiten der NS-Kulturgemeinde Wildeshausen wurde der Heimatverein zum Beitritt aufgefordert. Der Heimatverein Düngstrup empfahl dazu, die Mitglieder könnten Einzelmitglieder werden, der geschlossene Beitritt des Vereins zur NS-Kulturgemeinde wurde aber abgelehnt.

In diesem Jahr sollte erneut versucht werden, die Singabende wieder einzurichten. Alle Mitglieder sollten sich verstärkt darum bemühen. Diese Aufforderung hatte offensichtlich auch Erfolg. Die Gründung einer Sänger-Gruppe wurde beschlossen. Am Dienstag 12. März sollte der erste Singabend abgehalten werden.

Die Jahre 1935 bis 1940: Das Vereinsleben kommt zum Erliegen


1935
Die Monatsversammlung am 4. August fand wieder einmal im Schafkoben in der Holzhauser Heide statt. Anlass dafür war die Einweihungsfeier für den nunmehr neben dem Schafkoben aufgestellten Gedenkstein für Jan Huntemann, dem allseits bekannten Schulmeister und Ökonomierat, dem Leiter der im Volksmund so genannten „Steekröben-School“. Die Mitglieder des Heimatvereins haben im September angeregt, die Erntefeier innerhalb der Dörfer der früheren Landgemeinde Düngstrup, gemeinsam abzuhalten. Dieses war ein sehr guter Vorschlag und wurde befürwortet. Außerdem sollten auch Volkstänze für Kinder abgehalten werden. Hierzu sollten zunächst Rundfragen bei den einzelnen Schulen gestartet werden, um das allgemeine Interesse für eine solche Maßnahme zu erkunden. Die Kinder sollten alle 4 Wochen am Sonntagnachmittag Volkstänze üben. Die Leitung dabei sollte durch Frl. Voß erfolgen.

1936
In diesem Jahr konnte festgestellt werden, dass die Beteiligung bei der Tanzgruppe sehr groß war. Es wurde wieder angeregt, Heimattrachten anzuschaffen. Hätte man schon Heimattrachten gehabt, hätten 4 Paare der Tanzgruppe umsonst mit nach München fahren können! Die Tanzabende sollten künftig 14-tägig am Sonnabend stattfinden. Die Anschaffung einer Harmonika für den Heimatvereinwurde beschlossen.
Im September wurde vom Ingenieur Birth ein hochinteressanter Lichtbildervortrag über die Ausgrabungen bei den Kleinenkneter Steinen gehalten. Der Vortrag wurde von allen Anwesenden begeistert aufgenommen. Eine ganz interessante Anregung wurde im Heimatverein vorgebracht. Es sollten alte Hausinschriften gesammelt werden, damit diese für die kommenden Generationen festgehalten würden, wenn die alten Häuser einmal abgebrochen werden müssten. Die Vereinsmitglieder Wohlers, Brüggemann, Brand und Becker sollten sich darum kümmern.

1937
In diesem Jahr forderte der Amtshauptmann in Oldenburg vom Heimatverein die Benennung von Vertrauensleuten für den Naturschutz. Es wurden mehrere Vorschläge gemacht.

1939
H. Stolle legte sein Amt als Spielwart nieder, was sehr bedauert wurde. Der Vereinsleiter sprach ihm für seine langjährige Tätigkeit den Dank des Heimatvereins aus. Als neuer Spielwart wurde von der Versammlung Fr. Köpke gewählt. Mit Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 ruhte das Vereinsleben. Es gab jetzt ganz andere Probleme und Sorgen für die Vereinsmitglieder.

1940
Die letzte Eintragung im Protokollbuch datiert vom 14. Januar; es war die einzige EIntragung in dem Jahr.

   
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